Osterspende

Die Osterspende von Ferden geht auf ein Gelübde aus dem 14. Jahrhundert zurück, das die Sennen dreier Lötschentaler Alpen abgegeben haben, um Unheil abzuwenden, das unter ihrem Viehstand oft eintraf.

Über die Art dieses Unheils berichtet die Sage, früher seien auf den genannten Alpen die Kühe oft auf unerklärliche Weise verschwunden. Nach drei Tagen seien sie ganz ermattet heimgekommen mit Weizenähren zwischen den Klauen und blutrote Milch gebend.

In Erfüllung des Gelübdes reservieren heute noch die Viehbesitzer der drei sogenannten "Spendalpen" (Faldum, Resti und Kummen) jedes Jahr die saftigsten Weiden für den Weidegang vom 23. und 24. Juli. Die an den beiden folgenden Tagen gemolkene Milch wird beiseite getan und von den Sennerinnen zu fettem Käse für die Spend verarbeitet.

Dieser Frischkäse wird dann zu Tal gebracht, im Gemeindekeller von Ferden zu Brei zerstampft und unter Zugabe von Salz zur Reifung in Fässer aus Tannenrinde – sogenannte "Rümpfe" eingeknetet, die dem Spendziger seinen besonderen Geschmack verleihen. Während Monaten stechen die mit der Wartung des Käses Beauftragten regelmässig mit Stahlnadeln in die Rindenfässer, um die entstehende Flüssigkeit ablaufen zu lassen.

Am Ostermontag, dem grossen Tag für die Bewohner von Ferden, findet vor der Austeilung der Spende eine Gedächtnismesse für die verstorbenen Stifter und Wohltäter der Spend statt. Zur Mittagszeit sind 400 bis 500 Portionen sogenannten Spendzigers bereit, der schon am Morgen um fünf Uhr aus der Tannenrinde geschält und in Würfeln von 6 bis 7 cm Seitenlänge geschnitten wird.

Jeder anwesende Talbewohner, zuerst aber diejenigen aus den Nachbardörfern, erhält einen Zigerwürfel, dazu Brot und Wein in vorgeschriebener Menge. Die Empfänger danken den austeilenden Männern mit den Worten "Vergelte es Gott tausendmal, und gebe Euch Gott den ewigen Lohn, und begnade sie Gott alle und geben ihnen die ewige Ruhe".

Obschon heute keiner der Empfänger mehr auf die Osterspende angewiesen ist, konnte sie sich doch bis heute erhalten. Sie ist ein eigener Dorfbrauch, der keine folkloristische Veranstaltung für Touristen darstellt. Diese begegnen, falls sie am Ostermontag im Tal sind, höchstens der einen oder anderen sonntäglich gekleideten Lötschentalerin, die auf dem Teller oder in einem weissen Tüchlein ihre "Spend" nach Haus trägt.